Freie Sicht auf die Meere...!?
Nun, ganz so unrealistisch waren unsere Erwartungen in Bezug auf die Aussicht am letzten Samstag nicht. Natürlich geniesst man eine prächtige Sicht auf die umliegenden Gipfel, wenn man auf 2645 Meter über Meer ansteigt. Da war aber etwas anderes, was uns auf den Pass Lunghin lockte: die dreifache Wasserscheide, der Ort also, wo sich die Regentropfen in unterschiedliche Richtungen aufmachen und schliesslich – mitgerissen von den Flüssen Julia, Mera und Inn - in der Nordsee, im Mittelmeer, respective im Schwarzen Meer landen. Ein geradezu idealer Pass also für zwei wie wir, die wir Meere und (ja, inzwischen auch Rony) Berge lieben.


Und der Tag war ebenso ideal für eine Höhenwanderung. Kurzentschlossen und mit einem Gutschein für eine Übernachtung in der Inn Lodge in Celerina ausgestattet (das Geschenk einer lieben Freundin, die sich so für Unterstützung vor einer inzwischen glänzend bestandenen Prüfung bedankte), brausten wir am Freitag Abend los und kamen kurz vor neun Uhr in Celerina an. Die Antwort der Dame an der Rezeption auf unsere Frage, wo wir wohl um diese Zeit noch etwas essen könnten, war ebenso freundlich wie unbrauchbar, war doch das erste Restaurant ganz geschlossen, beim zweiten nur die Küche und dort erhielten wir dann auch den gesuchten “heissen” Tipp: Wir sollten es im “Arturo” versuchen, beschied uns der freundliche junge Mann. Dort zauberte die Küche in Windeseile zwei leckere Teller, die keine Wünsche offen liessen: Hirsch-Entrecôte mit Spätzli, Rotkraut und vielen äusserst delikaten und dekorativen Kleinigkeiten. Kein Wunder haben wir danach geschlafen wie die Murmeltiere.


Entsprechend fit starteten wir am Samstag in die Wanderung. Ausgangsort war Plaun da Lej am Silsersee, ein Weiler mit Hotel, Fischerei und – welch netter Anblick – einer Segelschule. Mit Blick auf eine an der Boje hängende Yacht meinte Rony bloss trocken: “Ob sich der Autopilot auf diesem Seelein wohl lohnt?”
Recht bald schon blickten wir auf Schiffe und Häuser hinunter und genossen die Sicht auf den Silsersee und das geliebte Hotel Waldhaus. Der Anstieg schien uns angenehm sanft und kurzweilig. Der Weg führte durch Castaselva, ein Dörfchen, das seiner bilderbuchmässigen Chalets wegen Ende der 70er Jahre die Freilichtbühne für die TV-Serie “Heidi” machte. Während wir zwar zuhanden unserer lieben Freunde aus England und anderswo in der Welt ein paar Heidi-Bildli schossen, machte uns die karge Landschaft, die wir bald darauf durchwanderten, erheblich mehr Eindruck. Schroffe Felswände, davor Schotter- und Geröllhalden, die auf schmalen Pfaden gequert werden mussten. Rony erfreute sich besonders am olivgrünen, fettglänzenden Gestein, dem Serpentin, das den Gipfeln in dieser Gegend ihre ungewöhnliche Farbe verleiht.


Den Aufstieg auf den Piz Lunghin schenkten wir uns: zu steil, zu schmal, zu gefährlich anmutend – vielleicht ein andermal, dann, wenn wir zu echten Wandersocken mutiert sind. Der Blick von der Krete unter dem Gipfel hinunter auf Maloja und ins Bergell, auf die umliegenden Gipfel, die Gletscherfelder und den Albignia-Stausee war aber auch nicht ohne!


Zurück auf der Passhöhe stillten wir im Windschatten eines Fels Hunger und Durst, inzwischen war ein Wind aufgekommen, der die Segler auf den Engadiner Seen wahrscheinlich erfreute, uns dagegen recht kühl erschien. Vor dem Wegweiser und dem Scheitelpunkt auf 2645 Metern gedachten wir der schönen grossen Pfützen im Norden, Süden und im Osten und gaben jeder Himmelsrichtung und den Wassern unsere guten Wünsche an die verschiedenen Meere mit.


Der Abstieg erschien uns länger und steiler als der Aufstieg, doch diesmal wenigstens (im Gegensatz zu unserer letzten Wanderung) litten unsere Knie nicht übermässig stark. Wir mutieren langsam zu Gämsen – oder (eher meinem Sternbild entsprechend): zu Steinziege und Steinbock!
Aktualisiert (Dienstag, den 14. September 2010 um 14:24 Uhr)
0 Comments
The sea on top of the mountain«What is a mountain, after all, if not a wave permanently set in position? What is navigation, if not horizontal mountain-climbing?» Aktualisiert (Dienstag, den 07. September 2010 um 15:48 Uhr) 0 CommentsZurückIch bin zurück, zurück an meinem Arbeitsplatz in der Redaktion in Zürich. Die Aussicht auf den See ist leider nicht dieselbe wie auf das Meer und fester Boden unter den Füssen fühlt sich irgendwie komisch an nach zwei Monaten auf dem Boot. Immerhin gibt es die Erinnerungen und die Bilder in diesem Blog. 0 CommentsVorerst letztes Insel-AbenteuerSchon wieder zuhause und fest im Alltagsgeschäft steckend, freue ich mich regelmässig über "Flashbacks", Erinnerungsfetzen, Bilder, Gedanken, die mich für Sekunden oder Minuten entführen in die Zeit unserer Reise, eine Zeit, die im Rückblick viel zu rasch vergangen ist. Gut verlebte Zeit vergeht wahrscheinlich immer viel zu schnell. ich musste nicht sehr lange nachdenken, als Rony mich fragte, ob ich Lust auf ein Wochenende mit ihm in Guernsey hatte. Ein paar Tage in trauter Zweisamkeit, nachdem wir über fünf Wochen lang rund um die Uhr das Familienleben gepflegt hatten? Wer würde da schon Nein sagen? Gezögert habe ich nur kurz, als ich mich an meinen ersten Flug von Zürich nach Guernsey erinnerte, vor etwas mehr als einem Jahr. Nur eine einzige Fluggesellschaft bietet Direktflüge von Zürich zu den Kanalinseln an, BlueIslands, die zumindest für mich auf ihrer Homepage einen kompetenten Eindruck machte und bei der ein Flug in wenigen Klicks gebucht werden kann. Wegen einer technischen Panne des Flugzeugs verspätete sich damals aber der Abflug von Zürich um mehrere Stunden. Wir wurden zwar recht ordentlich verpflegt, zumindest, was das leibliche Wohl betraf. Mein Informationshunger wurde nicht von irgendwelchen Offiziellen gestillt, sondern von einer britischen Mitpassagierin, die unter den Angestellten der Fluggesellschaft Bekannte hatte und von diesen jeweils telefonisch den aktuellen Stand der Dinge erbat und ihn mit uns anderen Wartenden teilte. So erfuhren wir denn auch schon vor dem Abflug, dass ein Weiterflug von Jersey nach Guernsey am gleichen Abend nicht mehr möglich sein würde, da der Flughafen auf der kleineren Insel längst geschlossen war. Man brachte uns zwar in einem edlen Hotel auf Jersey unter - doch was ist schon das beste Hotelzimmer, wenn der Liebste bloss acht Flugminuten entfernt in einer schönen Yacht auf einen wartet und man ohnehin bloss zwei, drei gemeinsame Nächte haben würde? Am letzten Wochenende allerdings klappte alles wie am Schnürchen. Wie ein Scherz mutete allerdings die kleine Runde durch den Flughafen an, die man uns Passagieren, die nach Guernsey weiterfliegen wollten, in Jersey aufbrummte. Alle Passagiere hatten auszusteigen, das Flughafengebäude durch die Ankunftshalle zu verlassen, quer über den Parkplatz zur Abflughalle zu marschieren, dort noch einmal die ganzen Sicherheitskontrollen zu bestehen und dann in dasselbe Flugzeug zu steigen und sich auf denselben Platz zu setzen, auf dem sie kurze Zeit vorher noch gesessen hatten. Die Stewardess brummelte etwas von: "Sicherheitsvorschriften". Der Weiterflug nach Guernsey war mit Sicherheit kürzer als die kleine Extratour rund um den Flughafen. Ob dies ein (plumper) Versuch ist, die Verkäufe des Dutyfree-Geschäfts auf Jersey anzukurbeln? Wie auch immer. Es hat sich gelohnt. Die beiden Tage mit Rony waren sehr schön, ruhig und entspannt, ein bisschen wehmütig auch, letzte, allerletzte Ferientage eben. Zum krönenden Abschluss schauten wir uns im Burghof des Castle Cornett "A Midsommernight's Dream" von Shakespeare an, gespielt und frech interpretiert von der ebenso brillianten wie komödiantisch meisterhaften Truppe mit dem passenden Namen "Oddsocks". Sie waren so lustig, dass selbst der Regen, der fast ununterbrochen auf uns Zuschauer niederprasselte, fast darüber vergessen ging. 0 CommentsVon Plymouth nach Guernsey, 16. bis 18. AugustNach zwei Tagen in Plymouth war es mal wieder Zeit aufzubrechen. Am Montag verliess ich die Queen Anne’s Battery Marina und fuhr in den Plymouth Sound hinaus. Ich wollte nicht nach Salcombe zurück, sondern entschied mich, direkt nach Dartmouth zu segeln. Es war der perfekte Tag dafür: ein stetiger Nordwestwind, keine Wellen, dafür blauer Himmel. Ich überliess dem Autopiloten das Steuern und träumte davon, wie es wäre, so immer weiter zu segeln. Die Ewigkeit war aber nicht von sehr langer Dauer. Nach ein paar Stunden rundete ich Start Point und trimmte die Segel für die letzten Meilen am Wind. Doch um dem I noch das Tüpfelchen aufzusetzen, erschien just vor der Einfahrt in den Fluss Dart ein Seehund vor dem Bug von Blue Alligator. Aktualisiert (Donnerstag, den 19. August 2010 um 13:10 Uhr) 1 Comment |







Dartmouth ist immer noch einer meiner Lieblingsorte an der Westküste Englands. Doch diesmal wurde der Fluss von einer Megajacht dominiert – leider von einer Motorjacht. „Northern Star“ ankerte genau zwischen der Dart Haven Marina und dem Städtchen und ruinierte den
Aber ich glaube, in Dartmouth ist man sich Exklusivität gewöhnt. Da gibt es zum Beispiel einen Jachtclub, der zwischen seinen Mitgliedern und den Mitgliedern der allgemeinen Öffentlichkeit (members of general public) unterscheidet. Wie Hunde sind letztere nicht erwünscht. Vergeblich habe ich einen Hinweis darauf gesucht, dass Yachties auf Besuch willkommen wären. Also wandte ich mich als einer der Angehörigen der grossen Mehrheit der Öffentlichkeit ab und trank mein Ale eben im Pub.